Luftfahrt 2026: Rekordgewinne und Wachstum trotz Lieferkettenkrise
Rekordjahr 2026: Gewinne und Passagierzahlen erreichen neue Höchststände
Die internationale Luftfahrtbranche blickt optimistisch ins Jahr 2026. Laut der jüngsten Prognose der International Air Transport Association (IATA) erwirtschaften die Fluggesellschaften voraussichtlich einen Rekord-Nettogewinn von 41 Milliarden US-Dollar, nach 39,5 Milliarden im Jahr 2025. Der Gesamtumsatz soll erstmals die Marke von 1,053 Billionen US-Dollar überschreiten.
Trotz der Gewinnrekorde bleibt die Branchenmarge mit 3,9 Prozent bescheiden – umgerechnet verdient eine Fluggesellschaft durchschnittlich nur 7,90 US-Dollar pro Passagier. Die Auslastung erreicht mit 83,8 Prozent aller Sitzplätze ein neues Hoch.
Während die IATA für 2026 5,2 Milliarden Passagiere erwartet, prognostiziert der Flughafenverband ACI World erstmals über zehn Milliarden Passagierbewegungen weltweit. Besonders dynamisch entwickelt sich der asiatisch-pazifische Raum mit einem prognostizierten Wachstum von 7,3 Prozent, gefolgt von Afrika (+9,4 Prozent) und dem Nahen Osten (+5,9 Prozent). Europa wächst moderater um 3,6 Prozent.
Auch die Allgemeine Luftfahrt (General Aviation) zeigt sich robust. Nach Angaben des Herstellerverbands GAMA wurden 2025 weltweit 3.230 neue Flugzeuge und 938 Hubschrauber ausgeliefert. Die Umsätze stiegen auf 31 Milliarden US-Dollar (Flugzeuge) bzw. 4,7 Milliarden US-Dollar (Hubschrauber).
Lieferengpässe und Produktionsrückstände als strategische Herausforderung
Der Wachstumsschwung steht im Kontrast zu massiven Engpässen in der Lieferkette. Airbus verzeichnete im Mai 2025 einen Auftragsbestand von 8.617 Maschinen, Boeing von 6.528 Flugzeugen – bei beiden Herstellern reichen die Auftragsbücher Jahre in die Zukunft. Experten schätzen die aktuelle Lücke auf rund 5.000 nicht gelieferte Flugzeuge.
Das Durchschnittsalter der weltweiten Passagierflotte stieg dadurch von 9,7 Jahren (2018) auf 11,3 Jahre (2024). Airlines reagieren mit verlängerten Leasingverträgen und längerer Nutzung alter Maschinen, was den Wartungsbedarf erhöht. Gleichzeitig leidet die Branche unter einem Fachkräftemangel in Instandhaltung und Produktion sowie technischen Problemen bei Triebwerken.
Die Luftfracht wächst laut IATA um 2,4 Prozent auf 71,6 Millionen Tonnen, wobei die Kapazitäten durch fehlende Frachtraumangebote in Passagiermaschinen und allgemeine Flugzeugknappheit limitiert bleiben.
Geopolitische Turbulenzen und Zertifizierungsrisiken
Die Branche navigiert durch zunehmend komplexe geopolitische Gewässer. US-Importzölle haben Frachtströme durcheinandergebracht: Sendungen zwischen Asien und Nordamerika sanken 2024 erstmals um 0,8 Prozent, während die Route Europa-Asien um 10,3 Prozent wuchs.
Besorgnis erregen zunehmende Spannungen bei der Flugzeugzertifizierung. Die Androhung politischer Einflussnahme auf Sicherheitszertifizierungen – etwa durch Forderungen nach nationalen Zertifizierungen für Geschäftsflugzeuge – könnte das jahrzehntealte System global akzeptierter Normen untergraben. Die EU warnt explizit vor der Instrumentalisierung von Lieferketten und Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden.
Toshiyuki Onuma, Präsident des ICAO-Rats, betonte auf dem Changi Aviation Summit, dass das aktuelle System, das für vier Milliarden Passagiere konzipiert wurde, ohne fundamentale Transformation nicht für das Dreifache dieser Zahl geeignet sei.
Nachhaltigkeit: SAF, Wasserstoff und Künstliche Intelligenz
Mit einem Anteil von 2,5 Prozent an den weltweiten energiebedingten CO₂-Emissionen steht die Branche unter massivem Dekarbonisierungsdruck. Die EU verpflichtet Fluggesellschaften ab 2025 zum Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF) in Höhe von 2 Prozent, steigend auf 6 Prozent bis 2030 und 70 Prozent bis 2050. Allerdings kostet SAF bis zu vier Mal so viel wie konventionelles Kerosin.
Langfristig setzen Hersteller auf Wasserstoff und Elektrifizierung. Testflüge wie das Wasserstoff-Brennstoffzellen-Flugzeug Hy4 belegen die technische Machbarkeit emissionsfreien Fliegens. Für kurze Strecken entwickeln Unternehmen wie Joby Aviation und Archer Aviation elektrische Senkrechtstarter (eVTOL) für den urbanen Raum.
Parallel dazu etabliert sich Künstliche Intelligenz als Kerninfrastruktur: Von prädiktiver Wartung über autonome Flugverkehrskontrolle bis zur Optimierung von Treibstoffverbräuchen soll KI die Effizienz steigern und Ausfallzeiten reduzieren.
AERO 2026 und Marktstruktur
Die positive Stimmung zeigt sich bei der AERO 2026 in Friedrichshafen (22. bis 25. April). Mit einem Anmeldestand von über 25 Prozent mehr Ausstellern als im Vorjahr findet die Leitmesse für Allgemeine Luftfahrt in einem starken Marktumfeld statt. Erstmals wird der Business Aviation Hub um die Halle A1 erweitert.
Am Aktienmarkt dominieren Boeing (141 Milliarden Euro), Airbus (131 Milliarden Euro) und Lockheed Martin (129 Milliarden Euro) die Rangliste der wertvollsten Flugzeughersteller.